Digital@EVU 2021: EVU setzen auf digitale Produkte und Dienste

Die grosse Bedeutung digitaler Transformation ist klar auf der Agenda von EVU zu erkennen – sowohl für die Klimaneutralität als auch für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg. Das zeigt die Studie "Digital@EVU 2021", die der BDEW, VSE, Kearney und IMP³ROVE in diesem Jahre bereits zum fünften Mal veröffentlicht haben.
16.09.2021

Über 100 Energieversorger aller Wertschöpfungsstufen und Grössenklassen haben an dem diesjährigen Digitalisierungscheck teilgenommen, der allen teilnehmenden Unternehmen eine detaillierte Positionsbestimmung ermöglicht – und individuelle Verbesserungsvorschläge macht.

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass Energieversorger ein starkes Umsatzwachstum von durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr für digitalbasierte Angebote erwarten. Insbesondere digitalbasierte Angebote im Bereich von dezentralen Erzeugungsanlagen, automatisierter Stromhandel, Smart City, E-Mobilität und Energiemanagementlösungen für Kommunen und Industrieunternehmen werden als Hebel für Wachstum gesehen.

Das insgesamt wichtigste digitalbasierte Geschäftsfeld sind dezentrale Erzeugungsanlagen, die bereits jetzt den höchsten Umsatz aller untersuchten Kategorien generieren. In diesem Bereich wird ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 10 bis 15 Prozent p.a. erwartet. Zu den stärksten Umsatztreibern zählt auch die E-Mobilität, für die im Durchschnitt das stärkste Wachstum von über 15 Prozent p.a. erwartet wird.

Eine hohe Aktivität der Branche wird im Bereich der digitalen Kundenzentrierung gesehen: 87 Prozent der Unternehmen erwarten hier neue Anwendungsfälle. Digitale Kundenzentrierung umfasst verschiedene digitalen Methoden und Tools, mit denen Kunden in Zukunft ein noch besserer Service geboten werden kann und individuellere Angebote gemacht werden können. Ein wichtiger Baustein sind Cloud-Lösungen. Rund drei Viertel (77 Prozent) der Unternehmen gaben an, bereits heute Cloud-Services zu nutzen, weitere 17 Prozent planen die Nutzung in den kommenden drei Jahren.

«Mehr Dezentralisierung bedingt mehr Digitalisierung – zudem hat die Corona-Pandemie dabei zu einer zusätzlichen Dynamik geführt»

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung erläutert: „Die Energiewirtschaft meistert tagtäglich grosse Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewende. Die Studie zeigt, dass digitale Anwendungen hier wichtige und kundenorientierte Lösungen liefern. Um die Potentiale dieser digitalen Anwendungen vollständig zu heben, besteht auch politischer Handlungsbedarf. So muss beispielsweise der Gesetzgeber bestehende Rechtsunsicherheiten beim Umgang mit Daten- und Cloudlösungen beseitigen und Haftungsfragen klarer abgrenzen, um die Verfügbarkeit und Nutzung von Daten für innovative, klimafreundliche Lösungen zu beschleunigen.“  

„Erkennbar ist, dass die Unternehmen unabhängig von Grösse oder Wertschöpfungsstufe die Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation angenommen haben und sich auf den Weg in die digitale Zukunft gemacht haben. Unsere Studie enthält konkrete Fallbeispiele von Energieversorgern international“, so Horst Dringenberg (Kearney). 

„Digitalisierung ist ein wesentlicher unterstützender Faktor für den Weg zur Klimaneutralität – die digitale Vernetzung von E-Mobilitätsangeboten regional, national und international ist dabei nur ein Beispiel. Partnerschaften sind zentral für den Erfolg“, ergänzt Martin Ruppert (IMP³ROVE).

„Die Ergebnisse zeigen, dass Energieversorger an vielen Stellen zunehmend digitale Technologien einsetzen, um den Kunden noch besseren Service zu bieten. Zunehmende Dezentralisierung bedingt mehr Digitalisierung – zudem hat die Corona-Pandemie dabei zu einer zusätzlichen Dynamik geführt“ so Michael Frank (VSE).