Effizienz rückt wegen der Energiekrise in den Fokus

Ein effizienter Energieverbrauch ist nicht nur im Hinblick auf den anstehenden Winter angezeigt, sondern auch auf mittlere und längere Frist wesentlich für die Sicherstellung der Versorgung. Daher ist Effizienz auch ein Schlüsselthema in der VSE Roadmap Versorgungssicherheit.
18.08.2022
Verbrauch, Konsum

Der sorgsame und effiziente Umgang mit Energie erlangt durch die europäische Energiekrise gerade einen neuen Wert. Aufrufe zum Energiesparen gehören in den europäischen Nachbarstaaten im Hinblick auf eine drohende Energiemangellage bereits heute zur Tagesordnung. Kurzfristig den Energieverbrauch senken als Massnahme, um die Krise vorzubeugen. Spare in der Zeit, so hast Du in der Not. 

Auf Ende August lanciert der Bund jedoch eine Sensibilisierungskampagne mit Spartipps für Unternehmen und Privatpersonen. Denn im Hinblick auf die aktuell kritische Winterversorgung gilt: Jede Kilowattstunde zählt, insbesondere auch die eingesparten.

Die wirtschaftliche Landesversorgung zeigt schon heute auf ihrer Webseite, wie zum Beispiel Privatpersonen ohne Komforteinbussen Energie sparen können. Das Sparpotenzial ist bei den Haushalten besonders gross, da sie für rund einen Drittel des Stromverbrauchs verantwortlich sind. Energiesparen lohnt sich nicht zuletzt auch aus Kostengründen.

VSE Roadmap Versorgungssicherheit: Effizienzvereinbarungen für alle Sektoren und Verbraucher

Effizienz ist für den VSE und die Branche schon lange ein grosses Thema und ein wesentlicher Pfeiler für die Sicherstellung der Versorgung auf mittlere und längere Frist. Der VSE greift das Thema daher auch in seiner «Roadmap Versorgungssicherheit» auf. Durch die Elektrifizierung von Mobilität, Wärme und Industrie zur Erreichung der Energie- und Klimaziele wird der Stromverbrauch stark zunehmen. Durch den Ausbau der Photovoltaik im Siedlungsgebiet werden Verbraucher zunehmend auch zu Produzenten (Prosumer). Energieeffizienz und die Nutzung des Flexibilitätspotenzials gewinnen dadurch stark an Bedeutung. Der VSE setzt sich daher auch für innovative Lösungen ein, die die Dezentralisierung und die temporäre Verschiebung von Verbrauch und dezentraler Produktion ermöglichen.

«Im Hinblick auf die aktuell kritische Winterversorgung gilt: Jede Kilowattstunde zählt, insbesondere auch die eingesparten.»

Energieeffizienz- und Energiesparmassnahmen sind zentral, um den Verbrauchsanstieg möglichst gering zu halten. Dazu sind insbesondere die erfolgreichen Zielvereinbarungen (Energie-, Stromverbrauch und CO2-Ausstoss) das Mittel der Wahl. Sie sollten auf alle Sektoren und Verbraucher ausgeweitet werden. Dies und die Schaffung von Anreizen für die Nutzung von Flexibilitäten würde auch die Bemühungen befeuern, die Sektorkopplung voranzutreiben, welche die Optimierung des gesamten Energiesystems unterstützt. Schliesslich sind griffige Effizienzstandards zu etablieren. Gerade im Gebäudebereich gibt es grosses Einsparpotenzial, das es mit geeigneten Instrumenten und Umsetzungsmassnahmen auszuschöpfen gilt.

EnAW-Teilnehmerfirmen übertreffen Effizienzziele

Über die Hälfte des Stromverbrauchs entfiel 2021 auf Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen. Effizienzpotenziale sind logischerweise auch in diesen Bereichen zu finden. Zahlreiche Initiativen unterstützen schon heute Unternehmen, ihren Energieverbrauch zu optimieren. Die Energie-Agentur der Wirtschaft EnAW tut dies beispielsweise seit über 20 Jahren. Trotz unsicherer Lage im Jahr 2021 konnten die 4’256 Teilnehmerfirmen 721’870 Tonnen CO2 und über 4 Milliarden Kilowattstunden Strom und Wärme einsparen. Damit übertreffen sie die Ziele um acht Prozentpunkte und tragen massgebend dazu bei, die Klimaziele zu erreichen.

Dazu möchte auch die neue «Energy Savers»-Plattform beitragen, die von der Branche mitinitiiert wurde. Gleichgesinnte sollen sich darauf mit dem Ziel vernetzen, Effizienz einen grösseren Stellenwert einzuräumen, mehr Investitionen in Effizienzbemühungen zu bündeln und Potenziale auszuschöpfen. Auf der Webseite heisst es: «Die sauberste und günstigste Energie ist jene, die wir gar nicht erst erzeugen müssen.»

EVU setzen Effizienzanreize

Und auch die EVU selbst haben verschiedene Beratungsangebote und Anreizinstrumente geschaffen, damit sich ihre Kunden effizient verhalten. Das können Beiträge für den Erwerb besonders effizienter Küchen- und Haushaltsgeräte oder für PV-Analgen, Wärmepumpen oder Ladeinfrastrukturen für die Elektromobilität sein. Verschiedene Unternehmen bieten auch Effizienzboni für Unternehmen und Privatpersonen an – gegen Nachweis eines effizienten Umgangs mit Energie oder, wenn eine bestimmte Energiemenge im Vergleich zum Vorjahr eingespart wurde. Andere wiederum bieten ihren Kundinnen und Kunden ein Monitoringsystem an, die die Verbrauchswerte von Strom, Gas, Fernwärme und Warmwasser anzeigt.