Sichere Energie? Ja, ich will!

Eine kürzlich vom VSE bei gfs.bern in Auftrag gegebene Analyse spricht Klartext. Die Versorgungssicherheit hat für die Bevölkerung oberste Priorität. Auf welches Pferd Herr und Frau Schweizer dabei setzen? Das erfahren Sie in unserer neusten politischen Feder.
05.07.2022
Menschen, Fussgängerstreifen

Kernkraft – seit Jahrzehnten nicht nur ein zuverlässiger Stromlieferant, sondern auch ein ebenso zuverlässiger Spaltpilz. Nach Jahren relativer Ruhe taucht sie nun wieder in den Diskussionen über die Stromversorgungssicherheit auf.

Die kürzlich vom VSE bei gfs.bern in Auftrag gegebene Analyse hat den vor fünf Jahren gefällten Urnenentscheid zur Energiestrategie 2050 bestätigt: Neue Kernkraftwerke sind derzeit nicht mehrheitsfähig. Dies ist wenig erstaunlich, zumal offensichtlich ist, dass ein allfälliges neues KKW – sofern sich dafür wenig risikoaverse Investoren finden lassen würden – viel zu spät ans Netz gehen würde, um die in den nächsten Wintern drohenden Stromengpässe abzufangen.

Wie die Strombranche setzt die Schweizer Bevölkerung dezidiert auf ein ganz anderes Pferd: die erneuerbaren Energien. Wasserkraft und Solarenergie sind dabei die absoluten Spitzenreiter. Aber auch von Windkraft, Biomasse und Geothermie erwartet die Bevölkerung einen Beitrag an die Versorgung. Die Bevölkerung betrachtet all diese Energieformen als gelebten Umweltschutz und spricht sich auch einstimmig für deren Förderung aus – sie ist sogar bereit, eine Lenkungsabgabe mit Rückerstattung an die Sparsameren ins Auge zu fassen oder auf Beschwerderechte zu verzichten, um ihre Energieziele zu erreichen.

«Vor dem Hintergrund der drohenden Stromengpässe wird die Geduld der Bevölkerung für die Blockaden von sinnvollen Projekten nicht mehr lange anhalten.»

Was bei diesen Zielen zualleroberst steht, steht ausser Frage: eine sichere Versorgung. Alles andere muss für die Bevölkerung hintanstehen. Vor dem Hintergrund der drohenden Stromengpässe wird ihre Geduld für das endlose Hickhack und die teilweise jahrzehntelangen Blockaden von sinnvollen Projekten nicht mehr lange anhalten. Beispiele für solche Projekte gibt es viele, wie die Erhöhung der Grimselstaumauer, neue Stauseen in Gletscherrückzugsgebieten, wie bei der Trift oder am Gornerli, oder speziell effiziente PV-Anlagen in den Alpen und Windkraftwerke im Jura, die alle im Winter wertvollen Strom liefern würden. Alle Akteure sind nun dringend gefordert, Hand zu bieten für rasche Lösungen.

Der Auftrag der Bevölkerung ist sonnenklar: Die Zeiten der Partikularinteressen und des Herumeierns sind vorbei, denn jetzt geht es bekanntlich ums Ganze. Versorgungssicherheit mit erneuerbaren Energien? Ja, die Bevölkerung will!

Siehe auch


Die politische Feder

Unter der Rubrik "Die politische Feder" veröffentlicht Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE, regelmässig Kommentare und Einschätzungen zu energiepolitischen Themen.